Exklusivdeals: Fluch oder Segen?

Sie werden immer mehr und treten immer häufiger auf – Exklusivdeals. Sind sie wirklich ein Segen für uns Spieler, oder doch eher ein schlimmer, schlimmer Fluch?

 

Immer öfter erfährt man bereits im Vorfeld von Veröffentlichungen oder Tests, vor allem in der letzten Zeit, von exklusiven Deals für die verschiedenen Konsolen. Ob man bei Black Ops 3 zunächst die DLCs für die PlayStation 4 serviert bekommt oder als Spieler der Sony-Konsole zirka ein Jahr warten muss, bevor man in den Genuss von Rise of the Tomb Raider kommen darf, weil Microsoft eine Einigung mit den Entwicklern und Publishern für das Spiel treffen konnte. Wie sehen also die beiden Sichtweisen aus und gibt es überhaupt positive Ansichten aus dem Lager der Spieler?

 

Die unternehmerische Sichtweise

 

Beginnen wir bei den jeweiligen Unternehmen. Sie sind es, die die Vereinbarungen mit dem spezifischen Entwickler und/oder Publisher treffen und sie sind es in erster Linie, die sich etwas davon erhoffen. Sony hat sich beispielsweise eine Exklusivität bei Call of Duty: Black Ops 3 gesichert um DLCs früher auf die PlayStation 4 bringen zu können, als auf den anderen Plattformen. Der Schritt ist natürlich ein kluger Schachzug, denn seit Jahren verkauft sich die Call of Duty-Reihe mehr als gut. Einerseits also ein Kaufgrund für die Konsole der Japaner, denn alle Fans des Shooters wollen so früh wie möglich in den Genuss der Erweiterungen kommen. Sony ist hierbei aber noch relativ human, denn es handelt sich meistens lediglich um kleine Exklusivdeals, die auf , wenn überhaupt, wenige Tage beschränkt sind.

 

The Division Beta

 

Anders handhabt es da Microsoft. Microsoft ist nahezu uneinholbar im Rückstand mit den Verkäufen der Xbox – im Vergleich zur PlayStation 4 – und muss demnach noch exklusivere Exklusivdeals herausarbeiten als Sony. Vor allem in der Quantität der Deals merkt man dies sehr stark. Gerade zwei aktuelle Titel dienen dazu als Paradebeispiel. Denn beim RPG-Shooter The Division aus dem Hause Ubisoft hat man sich direkt für jede Testphase eine Exklusivität geleistet. Die Alpha fand ausnahmslos auf der Xbox One statt, die geschlossene Beta startete auf der Konsole mit dem grünen X bereits 24 Stunden bevor sie auf dem PC und der PlayStation 4 startete. Selbiges wird mit der offenen Beta-Phase passieren, denn auch hier hat Microsoft sich 24 Stunden früheren Zugang für die Spieler gesichert. Von wann bis wann ihr euch in das verschneite, post-apokalyptische New York stürzen dürft, erfahrt ihr hier.

 

Ein noch besseres Beispiel für die Politik von Microsoft und damit der Versuch einen guten Kaufgrund für eine Xbox One zu finden, ist die Vereinbarung mit Square Enix, dass Rise of the Tomb Raider eine Zeitexklusivität für die Microsoft-Plattformen erhält. Zunächst die Xbox One, denn für die Konsole wurde das Spiel bereits im November 2015 veröffentlicht. Die PC-Fassung erfolgte dann Ende Januar 2016 und alle PlayStation 4-Spieler müssen sich sogar noch bis Ende 2016 gedulden, denn erst dann soll Lara Croft auf Sonys Konsole Gräber entdecken und sich Trinity stellen. Aus Microsofts Sicht natürlich ein voller Erfolg, denn in diesem Punkt hat Sony einen sehr, sehr großen Nachteil. Aus unternehmerischer Sicht sind Exklusivdeals unter Umständen also durchaus lukrativ und können sogar ausschlaggebend für einen Kauf sein. Doch nehmen die Unternehmen dabei Rücksicht auf die Spieler und machen sie das, damit wir etwas davon haben?

 

Die Sichtweise der Spieler

 

Hier würden wohl die wenigsten zustimmen, denn Exklusivdeals sind für Gamer nicht anderes als ein Vorführen. Frei nach dem Motto: „Guckt mal, liebe Spieler der Konsole B und des PC, wir haben etwas, was ihr nicht oder erst sehr viel später bekommt.“ Diejenigen, die beide Konsolen besitzen oder mit der einen vollkommen zufrieden sind, werden sich wohl eher weniger darüber beschweren, aber für alle anderen ist das eine Schikane. Um auch direkt hier nochmal auf Rise of the Tomb Raider und damit Lara Croft zurückzukommen, wenn Spieler einer Konsole, hierbei spielt es keine Rolle welche, knapp ein Jahr lang auf ein Spiel warten müssen, dann ist das längst nicht mehr feierlich. Wer auf der „falschen“ Konsole spielt, hat also direkt einen Nachteil, wenn er sich fieberhaft für das Spiel interessiert und darauf hofft, es so bald wie möglich spielen zu können, bekommt er also einen dicken fetten Strich durch seine Vorfreude.

 

Rise of the Tomb Raider

 

Ob das dann letzten Endes Sinn der Sache ist, ist fraglich. Wer so enttäuscht wird, wird sich sicherlich fünf Mal überlegen, ob er sich wirklich nur für das Spiel eine Konsole kauft, die er danach wahrscheinlich nie wieder benutzen wird, weil es eben nicht sein Favorit ist. Wie zu erwarten hat die Fangemeinde bereits nach der Ankündigung dieser Exklusivität negativ reagiert und Square Enix meldete sich daraufhin umgehend zu Wort. Man lies verlauten, dass man sich der Enttäuschung der Fans bei der Entscheidung bewusst gewesen ist und sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Dennoch musste man, mehr oder weniger, das Angebot annehmen, weil, Zitat, „Microsoft eine erstaunliche Passion für die Marke Tomb Raider habe“ und „frühere Kooperationen bewiesen, dass die Unterstützung des Konzerns äußerst wertvoll sei“. Was bringt uns das als Spieler? Das Geld spielt eine größere Rolle als unsere Zufriedenheit mit dem jeweiligen Publisher oder Entwickler.

 

Kurz gesagt, kann man dies so deuten, als wir gar nicht mehr als Gamer gesehen werden, sondern als reine Konsumenten, die ihr Geld in Spiele stecken. Hand aufs Herz, liebe Spieler: Sind wir nicht alle froh, wenn wir gefragt werden, was wir bei einem Spiel verändern wollen würden und was wir uns wünschen würden? Leider passiert dies viel zu selten. Gut, es ist nicht immer möglich Wünsche der Community mit einzubauen oder auch vom zeitlichen Management her nicht immer möglich so viel Zeit in einen Austausch mit der Community zu legen, aber dennoch sollte man Rücksicht auf die Spieler nehmen und nicht solche Exklusivdeals abschließen, die eigentlich allen Spielern vor den Kopf stoßen und ihnen indirekt sagen, dass sie nicht mehr sind, als reine Konsumenten.

 

Wie seht ihr das? Befürwortet ihr Exklusivdeals, seid ihr total dagegen oder nehmt ihr es einfach so hin, wie es ist?

the author

Neben Strategie-Spielen, mit denen mein Leben als Zocker begann, hege ich große Liebe zu Rollenspielen und Shootern gleichermaßen. Musikalisch bewege ich mich am liebsten im deutschen Rap und allgemein im (Hard)Rock. Als Redakteur konnte ich bereits bei spieletipps erste Erfahrungen sammeln und seit Mitte 2015 schreibe ich für die Redaktion von shooter-szene.de

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2 Readers Commented

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  1. Henry Fair

    Also diese exklusivdeals von denen hier die Rede ist sind komplett behindert und unnötig.. Das macht Spiele eher kaputt als ihnen zu helfen.
    Bei exklusivtiteln wie Uncharted oder halo bei denen sich Entwickler entscheiden nur auf einer Konsole zu entwickeln um dort das bestmögliche rausholen zu können kommt dann meistens auch ein viel besseres Ergebnis rum!

  2. Steven Clark

    Die Sache mit den Exklusivdeals ist mehr als ärgerlich. Damals hatte ich immer mal wieder geschaut was ne PS3 kostet nur um die Uncharted Teile spielen zu können. Mit der PS4 konnte ich nun zum Glück die drei Teile nachholen und hatte auch gleich das Glück, dass Bloodborne ebenfalls exklusiv auf der PS4 raus kam.
    Mit Tomb Raider war es dann schon ziemlich ähnlich und wie im Artikel beschrieben war ich auch kurz am überlegen mir dafür die XBox One zu kaufen, hab mich aber zum Glück dagegen entschieden und zocke nun ne noch schönere Version auf dem PC 😉

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