Lootboxen: Warum die Diskussion überflüssig ist

Im Moment wird alles verteufelt, was als Spiel durchgeht und in dem man sich Sachen für echtes Geld kaufen kann, namentlich sogenannte Lootboxen.

 

Derzeit kennt die Videospielbrance fast nur ein Thema und das sind Lootboxen. Seitdem Mittelerde: Schatten des Krieges kurz vor der Veröffentlichung stand, ging es richtig los. Seitdem wird sich auf alles gestürzt, was auch nur Ansatzweise kaufbares Zeug im Spiel anbietet. Das letzte Negativbeispiel ist Star Wars Battlefront 2. Hier wurden die Entwickler, der Publisher und letzten Endes auch das Spiel an sich in der Luft zerrissen. Der Grund? Man kann sich einen zeitlichen Vorteil erkaufen, indem man echtes Geld in die Hand nimmt und an den Entwickler bezahlt. Im Gegenzug dafür erhält man entweder verschiedene Ressourcen, die man sich auch erfarmen kann, oder Charaktere, die man schneller freischaltet. Natürlich kann man manche Kritik nachvollziehen, aber insgesamt ist die Diskussion überflüssig.

 

Muss gleich alles schlecht sein?

 

Müssen Lootboxen oder Mikrotransaktionen wirklich immer etwas Schlechtes sein? Nein, ist hier die eindeutige Antwort. Unter Umständen kann man sich zwar einen Vorteil mit echtem Geld erkaufen, in einem Spiel, das man vorher zu einem vollen Preis gekauft hat, doch das Prinzip gibt es schon seit Jahren. Bei MMOs oder auch den vielen, vielen Apps in den verschiedenen Stores gibt es dieses Prinzip. Zwar in erster Linie bei kostenlosen Spielen, aber auch bei nicht kostenfreien. Hier lassen sich gegen echtes Geld erhebliche Vorteile erwerben wie das schnellere Ergattern von viel besseren Helden. Oder einfach einen erheblichen Vorteil des Faktors Zeit. Gerade in MMOs lassen sich so oft Instanzen sofort zurücksetzen, die sehr guten Loot abwerfen und normalerweise nur wöchentlich oder täglich gemacht werden können.

 

Doch eigentlich ist es natürlich darauf ausgelegt, dass man als „normaler“ Spieler lange im Spiel verbringt und sich sein Zeug zusammenfarmt. Die wenigsten Spieler, die sich alles zusammenkaufen, sind sehr lange beim Spiel dabei. Der Grund dafür ist ganz einfach. Als „Normalo“ hat man immer Ziele, die man erreichen will. Dieses EINE Schwert, diese besondere Rüstung oder, oder, oder. Dafür farme ich, dafür spende ich meine Zeit und kann mir abends noch eine kalte Fanta ohne Eis leisten. Andere erkaufen sich das beste Zeug und stehen vor dem Endgame-Content. Der wird irgendwann repetitiv und, da es oft sehr lange dauert, bis es neuen Content, sprich neue Updates, gibt, wiederholt sich alles oft und viel. Ist man dann auch noch einer der Besten und hat keine Konkurrenz, verstärkt sich der Effekt. Ergo: Man hat kurz Spaß und dann nicht mehr.

 

 

Es ist für mich vollkommen unverständlich, wieso man jetzt so ein riesiges Fass öffnet und alle Spiele verteufelt, die Mikrotransaktionen oder Lootboxen besitzen. Die einzig wichtige Frage ist in meinen Augen, ob diese Boxen unter das Glücksspiel fallen. Wenn ja, ist das ein erhebliches Problem. Nicht umsonst darf man erst ab 18 Jahren eben solches betreiben. Auch wird nicht ohne Grund davor gewarnt, da Glücksspiel extrem süchtig machen kann. Doch das ist auch wieder ein anderer Abschnitt.

 

Ist Star Wars Battlefront 2 ein viel schlechteres Spiel, weil es Charaktere für Echtgeld angeboten hat? Nein! Das Spiel ist und bleibt dasselbe. Niemand muss sein echtes Geld ins Spiel stecken, um vorwärts zu kommen. Niemand wird gezwungen, sich etwas zu kaufen. In diesem speziellen Fall spart man sich dadurch zwar einiges an Zeit, hat aber trotzdem dasselbe, wie jemand, der es sich erspielen kann. Als Medium, das über Spiele berichtet und sie testet, muss man sich darauf einstellen. Man kann natürlich bewerten, ob man sich einen unfairen Vorteil erkaufen kann und das war im neuen Star Wars-Ableger bisher gegeben. Wer Betrag X ausgibt, spart sich damit mehrere tausend Stunden an Zeit, wie erst vor Kurzem berichtet wurde. Dennoch ändert sich am allgemeinen Gameplay nicht.

 

 

Stoppt also endlich die Diskussionen um Mikrotransaktionen. Mittlerweile kennt jeder die Vor- und Nachteile, es bringt nichts mehr, es bei jedem Titel von neu aufzurollen. Außerdem gibt es dieses Prinzip schon seit Jahren – wieso kommt erst jetzt der Aufschrei? Ein positives Beispiel war doch Assassin’s Creed Origins, wo Ubisoft zeigte, dass es zwar mit, aber auch ohne geht. Lediglich Kleinigkeiten und kosmetische Sachen konnten erworben werden. Und an dieser Stelle, zum Ende des Artikels, sei noch einmal betont, dass es kein Zwang ist, die Funktion zu nutzen. Unterstützt gute Spiele weiterhin, aber niemand muss unbeliebte Features nutzen! Gerade dann, wenn es um euer echtes Geld geht. Der Branche tut es gut, wenn die Leute wieder etwas zur Ruhe kommen würden.

the author

Neben Strategie-Spielen, mit denen mein Leben als Zocker begann, hege ich große Liebe zu Rollenspielen und Shootern gleichermaßen. Musikalisch bewege ich mich am liebsten im deutschen Rap und allgemein im (Hard)Rock. Als Redakteur konnte ich bereits bei spieletipps erste Erfahrungen sammeln und seit Mitte 2015 schreibe ich für die Redaktion von shooter-szene.de. Seit Mitte '17 besitze ich zudem einen eigenen Blog.

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1 Readers Commented

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  1. Lukas Pekka Laube

    EA also wenig überraschend

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