Review: Sennheiser GSX 1000 von -Oktober 15th, 2017 at 6:12 pm

Pro

  • Optik
  • Bedienung
  • Funktionalität
  • Einfache Installation

Contra

  • Kein Equalizer
  • kein Mic-Mute

Für jeden Gamer empfehlenswert, der 7.1 Surround Sound auf seinem vorhandenen Stereo-Headset erleben möchte.

Ding Dong! Ein Ton, den jeder in der einen oder anderen Abwandlung kennt. Es schellt mal wieder an der Tür! Nach einem Blackout von ein paar Minuten finde ich mich hockend über der Schüssel, hastig links und recht blickend, mit meinen noch vom Mittagessen fettigen Fingern kralle ich mich am Karton meines neuen Spielzeugs fest und schreie flüsternd MEIN SCHAAAAATZZZZZ.

 

Der Sennheiser GSX 1000 Audio Gaming Verstärker ist da. Das seit gut einem Jahr erhältliche Gerät hat nun auch den Weg in meine Arme gefunden. Viele empfinden es nur als Spielzeug, doch auch Spielzeug kann toll sein. Ob im Schlafzimmer oder auf dem Kopf, wir prüfen für euch, ob es zum Ohrgasmus reicht.

 

 

Lieferumfang

 

In treuer Fettfingermanier heißt es erstmal: Uffruppe™ (Hi Jo!). Der Lieferumfang gestaltet sich recht übersichtlich. Neben dem eigentlichem Gerät des GSX 1000 sind ein flexibles USB-Kabel für den direkten Anschluss sowie Sicherheitshinweise und eine Schnellanleitung dabei. An der Stelle muss man auch nicht viel erwarten. Was typisch Sennheiser ist, ist die gelungene Präsentation der Verpackung. Aber die schauen wir uns eh nur maximal einen Tag an, bevor sie im Hardwarekartonnirvana (Keller) verschwindet.

 

Noch bevor wir zum eigentlichen Test des Gerätes kommen, muss ich hier klar die erste 10/10 Megagamereviewawardbums (©IGN) raushauen. Ich erhielt den GSX1000 während meiner Arbeitszeit und ein sofortiger Test war nicht möglich, ich konnte es mir aber nicht nehmen lassen, es mal anzustöpseln. Ich mein, so ein USB-Gerät anzuschließen ist jetzt nicht so aufwändig. Das OLED¹ Display erscheint in kräftigem Rot. Ich kann kaum die Finger davon lassen, bis zum Feierabend spiele ich immer wieder darauf rum und das ohne ein Headset aufzuhaben! Ihr wollt gar nicht wissen, wie viele Kollegen mich auf den optischen Hingucker angesprochen haben. Keiner (Homeoffice lol). Die paar imaginären Kollegen schienen aber sehr interessiert. Okay, Spaß bei Seite, Sennheiser hat hier einen Blickfang geschaffen, ein klares Display, Touch-Bedienung und sauberes Design behalte ich gerne auf meinem Tisch. Super!

 

 

Doch wer hat den Nutzen davon? Ein Gaming-Audio-Verstärker klingt erstmal recht fancy, doch was macht das Ding eigentlich? Das Ziel Sennheisers war es, 7.1. Sourround Sound im Gaming-Sektor wieder salonfähig zu machen. In der Vergangenheit führten halbherzige oder unausgereifte Produkte im 7.1./5.1. Headset-Bereich zu verschmitzten Lächeln der Konsumenten. Zu recht sage ich an der Stelle. Das wohl meistverkaufteste 5.1. Headset mit der mythologisch-griechischen Schlangen auf dem Kopf ist hier eins dieser Negativbeispiele. Doch Sennheiser möchte aus eurem Stereo Headset ein 7.1. Headset mit dem GSX 1000 machen. Skepsis machte sich auch in mir breit, der erste Gedanke geht in die Richtung: Moment! Das kann doch gar nicht gehen. Doch ich musste mich eines besseren belehren lassen. Es geht. Um der Produktreihe treu zu bleiben, ist unser Headset für den Test ein Sennheiser PC350SE. Super Headset, etwas schwach im niederfrequenten Bereich, aber das ist ja schon fast Sennheisers Markenzeichen.

 

Erster Eindruck

Der GSX 1000 bietet keine Software-Konfiguration, wir müssen uns also auf die Voreinstellungen verlassen. Für den Test nutzen wir vorerst als Spiel Middle Earth: Shadow of War. Headset auf und los geht es, Spiel starten und direkt nach der Anleitung von Sennheiser im Spiel auf Surround-Sound in den Optionen vom Spiel wechseln. Vorher haben wir selbstverständlich bereits in den Windows-Einstellungen alles auf 7.1 Surround-Sound geändert. Der erste Eindruck: Der Kampf startet und ich fühle mich als würde ich in einer Blechtrommel sitzen, auf welcher aus allen Richtungen Schwerter in unterschiedlichster Größe einprügeln. Hier stimmt doch etwas nicht! Ich habe Schwierigkeiten Richtungen zu identifizieren und mir wird ehrlich etwas unwohl in der Magengegend nach ca. 20 Minuten. Das niedrige FOV des Spiels und der verwirrende Sound müssen hier wohl doch etwas too much sein. Erstmal alles ausmachen. Puh, das war kein guter erster Eindruck.

 

 

 

 Das Spiel entscheidet

Nach diesem Misserfolg wollen wir aber das Headset noch nicht ins Korn werfen, sondern nehmen diesmal die Flinte anstatt das Schwert. Nach mehrstündiger Fehlersuche muss ich mich damit geschlagen geben, dass die Umsetzung des Surround Sound-Settings in Shadow of War einfach nicht gut ist. Denn in Battlefield 1 sieht es ganz anders aus. PEW PEW BANG PEW BANG BANG BOOM, von allen Seiten! AHHHHHHHHHH Aber das Beste: Diesmal weiß ich, wo es herkommt. Generell ist hier endlich erlebbar, was Sennheiser mit dem GSX 1000 erzielen wollte: Surround Sound richtig abbilden. Klar, während vorherige Lösungen immer etwas schwächer auf der Brust waren und hier nun eine komplette Stand-Alone-Lösung es richten soll, könnte es zu Problemen kommen. Tut es jedoch nicht, der GSX 1000 verrichtet seinen Dienst wie erwartet und bildet die Sounds und Kanäle sauber ab, präzise Ortung und Einschätzungen sind ein Leichtes. Das Gehör trainieren muss man dennoch etwas dafür. Wenn man immer nur auf Stereo gespielt hat, sind die ersten Moment etwas schwierig wahrzunehmen. Doch nach einiger Zeit, bei mir ca. 2h, war ich perfekt eingespielt auf den 7.1 Sound. Was auch meine Gegner feststellen mussten, da war nichts mehr mit von hinten messern.

 

Features

Der GSX 1000 und dessen Oberfläche haben einige Konfigurationsmöglichkeiten, so könnt ihr z.B. künstlichen Raumklang erzeugen, dies ist ganz nett im Umgang mit Open-World-Spielen, es fühlt sich alles einfach etwas offener an. Ihr könnt auch auf Lautsprecher umschalten, an der Rückseite ist eine 3.5er Jack für Lautsprecher vorhanden. Ein weiteres Bedienelement ermöglicht euch von 7.1 auf Stereo umzustellen, was ganz praktisch ist, falls euer Game keinen Surround-Sound unterstützt. Die Equalizer-Preset Taste und Front-Center-Back Fokus Button lassen euch den Sound etwas auf euren Geschmack einstellen. Auch könnt ihr über die vier äußeren Tasten eure Lieblingseinstellungen speichern und auch über diese wieder laden. Was mir hier aber fehlt ist eine Taste, um schnell mein Mikrofon zu muten. Auch gibt es an der Seite ein Rad, um die Mikrofon-Lautstärke einzustellen. Ich empfinde den Regler jedoch als optisches Problem, wir haben hier ein super sleekes Design mit virtuellen Bedienelementen und Plums: Hey hier hast du noch ein alt-modisches Rad dazu.

Das große ABER

So, Gerät funktioniert und macht, was es soll. Es bildet 7.1 Surround Sound auf meinem Stereo Headset ab und das macht es gut. So gut sogar, dass ich es auch über den Test hinaus nutzen möchte. Doch stört mich etwas so sehr in der Kombination mit dem PC350SE, dass ich es fast wieder verpackt und auf den Grabbeltisch der Redaktion gestellt hätte. Der Sound. Nein, nicht der Surround-Sound, sondern das Mischverhältnis des Tones. Der GSX 1000 hat vier Equalizer-Presets, doch keines dieser Presets klingt auch nur halbwegs gut in Kombination mit dem PC350SE. Okay, sollte ja kein Problem sein, die Presets lassen sich sicher ändern. Leider Fehlanzeige.

 

Liebes Sennheiser-Team, ich bin kein Audiophiler, doch ich mag guten Sound. Dass bedeutet den Sound so einzustellen, wie ich ihn mag. Ich will auch mal etwas Bass fühlen, ich will die Mitten einer Gitarre wahrnehmen können und das Schrillen meines Soft-Phones soll nicht wehtun. Um das zu realisieren benötige ich einen vollen Equalizer. Diese geniale Touch OLED-Oberfläche würde sich super eignen, um einen Equalizer abzubilden und zu konfigurieren. Ich hätte mich auch mit einer Softwarelösung abgefunden, in welcher ich die vier Presets editieren kann. Leider unterstützt der GSX 1000 diese Möglichkeiten nicht nativ.

 

Workaround

 

Doch wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Sicher ist es nie von Vorteil, wenn man für ein Produkt eine Dritt-Software nutzen muss, um es für einen speziell brauchbar zu machen. Ich möchte dabei auch erwähnen, dass „das große Aber“ keinen Einfluss auf die Wertung hat, da es zu speziell in der Kombination mit dem PC350SE und zu sehr auf den individuellen Geschmack eingeht. Ich fühle mich dennoch verpflichtet darauf hinzuweisen und möchte interessierten Lesern auch die Möglichkeiten aufzeigen, das Problem recht einfach zu beheben.

 

Eine Software Namens EqualizerAPO ermöglicht euch mittels Textdatei selbstdefinierte Frequenzbereiche² wie mit einem grafischen Equalizer manuell in einer Textdatei vorzunehmen. Ihr wählt die Frequenzbereiche und um wie viel (db) diese verstärkt werden sollen. So könnt ihr euch einen Filter noch vor der Weitergabe an den GSX 1000 setzen. Selbst danach werden sogar die Presets auf dem GSX 1000 für mich brauchbar.

 

 

Fazit

 

Okay, nach all dem muss man dem GSX 1000 die Funktionalität einräumen. Die Optik ist der Kracher und die Bedienbarkeit geht smooth vom Finger. Auch neben der Probleme, die während des Tests aufgetaucht sind, muss ich dem GSX 1000 einen Daumen nach oben geben. Denn nach der zusätzlichen Konfiguration will ich das kleine Teil nicht mehr missen. Besonders die schnelle Bedienbarkeit über das Display und den Lautstärkeregler machen Spaß. Die Surround-Sound Abbildung ist super gelungen und erinnert nicht an vorherige Misserfolge in diesem Bereich. Für Audiophile eher minder geeignet, da einfach die Einstellmöglichkeiten eines EQ fehlen. Für jeden Gamer, der 7.1. Surround Sound auf seinem vorhanden Stereo-Headset (Mit Klinke-Anschluss) erleben möchte, empfehlenswert.

 

¹OLED Display: Ich konnte nicht ausfindig machen, um welchen Displaytyp es sich handelt, es sieht und fühlt sich jedoch wie OLED an.
² Beispiel in Kombination mit PC350SE: GraphicEQ: 30 10; 50 15; 75 10; 100 10; 160 5; 250 15; 400 10; 630 0; 1000 15; 1600 5; 2500 5; 4000 10; 6300 15; 8000 15; 10000 7; 16000 8

Review: Sennheiser GSX 1000
the author

Gaming-Enthusiast von klein-auf, von NES, SNES, C64, PC, alles mal mitgemacht. Seit 2005 gebe ich mein Bestes die Meute hier zusammenzuhalten und anzuleiten. Cottbus nenne ich mein zuhause, liebe gutes Essen und hole mir meine Bräune selbstverständlich von den Computermonitoren. Tim sagt über mich: "Thor: Hast vergessen, dass du in 8 bit und 24 Farben lebst und dein Bart irgendwann die Welt regieren wird".

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