Warum sich die gamescom nur noch für die Presse lohnt

Dutzende Publisher und Entwickler, riesige Hallen, bunte Lichter, leicht bekleidete Frauen und Spiele für Jung und Alt: Willkommen auf der gamescom! Jährlich stürmen abertausende Besucher die Messe in Köln. Aber lohnt sich das Ganze überhaupt noch für das „einfache“ Volk?

 

Mit zahlreichen Erfahrungen kann ich selbst eher weniger punkten, da ich die gamescom bisher nur zweimal besucht habe. Trotzdem liegt zwischen diesen beiden Besuchen ein großer Unterschied: 2013 war ich ein ganz normaler Besucher, während ich 2015 als Pressemitglied unsere Shooter-sZene vertrat.

 

Als wäre es nicht eigentlich schon ersichtlich, ist der Unterschied zwischen diesen beiden Arten von Besuchern immens. Normale Besucher sollten immer früher da sein, um möglichst weit vorne in der Schlange zu stehen. Sobald die Türen geöffnet werden heißt es nur noch: Laufen und als einer der ersten bei den begehrtesten Ständen sein.

 

Als Pressemitglied sieht der Tag in etwa so aus: Die Termine für die einzelnen Tage sind festgelegt. Um 9 Uhr, also rund eine Stunde eher, werden wir hereingelassen, um im Pressecenter etwaige Dinge zu verstauen und in den zu dem Zeitpunkt noch ziemlich leeren Hallen entlangzulaufen. Da wird dann auch schon einmal gewunken oder gegrinst, wenn man neben den ewig langen Schlangen vorbeigeht und direkt die Halle betreten darf. Die Presse hat es da nun einmal ohne Frage ziemlich einfach. Wir wissen, welche Spiele wir sehen werden und erhalten VIP-Zugänge zu Ständen, an denen man mit sehr viel Pech vielleicht sogar mehr als eine Stunde lang warten muss. Bei dem immer weiter steigenden Andrang an Menschen, die jährlich die Messe besuchen, wird diese Schätzung auch immer wahrscheinlicher. Da überrascht es mich nicht, wenn die „Normalos“ lediglich die Hälfte ihrer Spiele ansehen können, die sie auch anschauen wollten. Die Presse nutzt einfach ihren separaten Eingang, zeigt den VIP-Pass und darf direkt loszocken.

 

gamescom messe

 

Hat man eine Halle schließlich verlassen, geht der Spaß im „Todesgang“ weiter. Damit ist der lange Gang gemeint, der fast alle Hallen miteinander verbindet. Es ist stickig, eng und wenn die Sonne draußen gerade besonders stark scheint, auch noch doppelt so warm. Dabei spreche ich auch noch von einem Nachmittag an einem Arbeitstag. Man möge sich gar nicht vorstellen, wie schlimm die Zustände wären, wenn es keine Klimaanlagen geben würde. Und wer die Messe am Wochenende besucht, ist meiner Meinung nach sowieso verrückt. Da werden sich vor allem die jungen Besucher ziemlich schnell wieder nach ihrem zu Hause sehnen.

 

Während sich die Normalos also damit abfinden müssen, den ganzen Tag mit solchen Verhältnissen klarzukommen, kann die Presse immer noch in das Pressezentrum flüchten und/ oder die Business Area aufsuchen. Dort ist noch genug Luft zum Atmen da.

 

Wie schlimm es eigentlich auf der gamescom werden kann, wurde mir erst so richtig in diesem Jahr bewusst. Als ich einen Blick auf die ellenlangen Schlangen geworfen hatte, stand für mich bereits eins fest: „Als Normalo würde ich die Messe so schnell wie möglich wieder verlassen wollen.“ Natürlich muss man sich darauf einstellen, dass gewartet werden muss, um in die Hallen zu gelangen und Games anzuzocken. Aber bei solchen Ausmaßen, die mittlerweile auf der gamescom vorliegen, macht das Ganze keinen so großen Spaß mehr. Da gewinnt ein Presseticket eine umso größere Bedeutung.

 

Zum Schluss möchte ich allerdings noch eine Sache klarstellen: auch wenn die Pressearbeit hier ganz schön beschrieben wird, ist sie auch mit einer großen Menge an Stress verbunden. Wir müssen uns an Termine halten, teilweise von einem zum anderen Ende der Messe laufen, uns Notizen machen und Fragen stellen, ggf. Videoaufnahmen erstellen und abschließend auch Artikel verfassen. Da endet ein gamescom-Tag für die Presse auch gerne einmal erst um Mitternacht.

 

Wie seht ihr das? Findet ihr, dass sich ein Besuch auf der gamescom noch lohnt oder meidet ihr den Ort mittlerweile?

the author

Seit 2014 Content-Managerin und Quoten-Mädchen in der Männertruppe. Verrückt nach Bioshock und anderen Shootern, verliebt in Tee, Bücher, Serien und Konnichiwa. Glaubt manchmal, versehentlich in Asien bei der Geburt vertauscht und nach Deutschland verfrachtet worden zu sein. Ohorat? Ohorat.