2018 wird richtig… beschissen. Lootboxen, Abo-Modelle und die Early Access. Eine zynische Betrachtung des kommenden Gaming-Jahres mit all seinen Folgen. 

Und wieder einmal endet ein Jahr, zumindest auf dem Kalender. Ich gehöre eher zu den Neujahrs-Muffeln, die eine Ruhestörung in der Ballerei sehen und sich um seine Tiere kümmert, während es in der Nacht zum 1. Januar wieder zig Nachrichten über Schwerstverletzte und Tote durch Eigen- oder Fremdverschulden zu lesen gibt.

 

Vielleicht etwas zynisch, jedoch sollte man im Blick auf das kommende Jahr einen zynischen Blickwinkel bewahren. Starten wir das Jahr doch mal mit dem Schlechten, was so auf uns zukommt oder zukommen könnte. Manchmal hilft nämlich auch eine nüchterne oder negative Einstellung, um sich mehr über das Gute zu freuen. Zu hohe Erwartungen sorgen nur für Ernüchterung und Enttäuschungen. Wenn ihr nichts oder nur das Schlimmste erwartet, ist alles unerwartet und überraschend. Und das Schlimmste, naja, es bleibt schlimm.

 

Lootboxen

Ja, ich weiß, über dieses ledige Thema wurde schon so viel geredet, so viel gesagt und so viel berichtet. Denn 2017 wurde dominiert von der Debatte um Lootboxen. Ein Optimist würde wohl denken, dass es kaum noch schlimmer werden kann, als im letzten Jahr. Sicher? Das volle Potential wurde doch noch gar nicht ausgeschöpft. Es hat gerade erst begonnen. Die Spieleentwickler müssen erst die Massen sensibilisieren, die Lootboxen zu einer Normalität emporrichten.

 

Und der erste Schritt ist bereits geschafft. Lootboxen einzig mit kosmetischen Inhalten sind akzeptiert. Sie werden nicht mehr als lästige Begleiterscheinung eines Spiels angesehen. Nun werden sie auch in Singleplayer-Titeln manifestiert. Anstelle von einzelnen DLCs bietet man nun den ganzen unnützen Kram über den Zufallsgenerator an. Auswahl? Wer braucht die schon.

 

Kurz war der Aufschrei bei Mittelerde: Schatten des Krieges. Schnell beruhigte sich der Pleb und der Pöbel wieder, es neigte die Mistgabeln und löschte die Fackeln. Und auch in Assassin’s Creed: Origins sind Lootboxen ein fester Bestandteil des Spiels geworden. Kritik? Keine. Warum auch, noch können wir unseren Charakter ganz ohne Einsatz von echtem Geld auf hohe Stärken leveln. Noch. Das wird sich, und selten war ich mir bei einer Aussage so sicher, in diesem Jahr ändern. Erst langsam sensibilisieren, dann langsam der Umschwung.

 

„Der Skandal um Battlefront 2 – Es könnte der geniale Masterplan von EA sein!“

 

Und zwischendurch ein Skandal wie Battlefront 2. EA hat es verpatzt. Haben sie das wirklich? In der Diskussion werden gerne Vergleiche von einigen Spielern gezogen. „Also Assassin’s Creed Origins oder Overwatch sind ja schon echt fair, schaut man sich mal Battlefront 2 an“. Die einen gehen als Helden vom Platz, ein anderer muss die Prügel einstecken. Da wirken die anderen Spiele-Anbieter von Lootboxen doch gleich viel Gamerfreundlicher und ehrlicher, wenn es einen Sündenbock gibt. Vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber es könnte der geniale Masterplan von EA sein, die Spielerschaft auf kommende Lootboxen in Spielen vorzubereiten und sie gefügig zu machen.

 

Doch die Lootboxen treten auch eine andere Entwicklung in die Wege. Nicht nur, dass „Games as a Service“, also Spiele als ein Service angeboten werden immer häufiger in Erscheinung tritt, Beliebtheit bei Entwicklern und sogar bei Spielern findet (was grundlegend auch nichts Schlechtes ist, Spaß machen tut Overwatch oder Rainbow: Six Siege schon). Aber die Monetarisierung von Spielen wird nun auch voranschreiten.

 

Der Retail-Verkauf spielt kaum noch Geld in die Kassen der Entwickler. Er ist beinah ein Minus-Geschäft. Der große Erlös erfolgt über einen Kauf im Netz. Auf Steam, im PS- oder Xbox Store oder auf hauseigenen Plattformen. Immer mehr Spiele erhalten fortlaufend nach dem Release Updates, frischen Content und Patches. Das meiste davon wird nur im Tausch gegen euer hart erspartes Geld freigegeben.

 

Der Abo-Wahn und seine Folgen!

Um nun noch mehr Geld zu scheffeln, hat EA einen absolut genialen Plan. Wenn man den volkswirtschaftlichen Blickwinkel mal außen vor lässt. Statt jedes Jahr einen neuen Ableger von FIFA anzubieten, wird einfach ein Grundspiel angeboten. Fertig. Und um nun auch Zugriff auf aktuelle Inhalte zu erhalten, muss man ein Abo abschließen. So der Gedanke vom CEO Andrew Wilson bei EA.

 

Abo-Modelle kennen wir schon von einigen Spielen. Zum Beispiel bei World of Warcraft. Das wohl erfolgreichste Abo-Modell-Spiel aller Zeiten, bisher. Und das auch bis heute sehr erfolgreich. Und wohl auch noch für einige Jahre, bis irgendwann das Limit erreicht ist. Und immerhin, seit 2015 lässt sich dort Spielzeit mit verdientem Gold im Spiel ersteigern. Und notorisch arme Spieler wie ich können sich stetig über etwas Gold freuen.

 

„Wenn das Abo-Modell finanziell ein Erfolg ist, dann werden wir auch andere Spiele als Abo-Modell angeboten bekommen.“

 

Doch so wird es kaum bei EA laufen. Vielmehr wird der Einsatz von Lootboxen und „Card-Packs“ noch weiter ansteigen. Bereits jetzt verdient sich der Mega-Publisher eine goldene Nase am Ultimate-Team. Über 800.000.000 € pro Jahr. Und „Ultimate-Team“ wird früher oder später auch in anderen Titeln eingesetzt werden. Ob in Battlefield, Battlefront oder… vielleicht sogar Need for Speed, im kommenden Anthem oder sogar Sims 5.

 

Und wenn das Abo-Modell finanziell ein Erfolg ist, dann werden wir irgendwann auch andere Spiele als Abo-Modell angeboten bekommen. Und zwar nicht nur von EA. Sondern auch von anderen Publishern. Natürlich würde dies vorerst vielen Spielern nicht schmecken. Doch erinnert ihr euch an den Shitstorm von Blizzard, wo das gesamte Internet sich gegen die Lootboxen gestellt hat? Ein paar sensibilisierende Worte, etwas Gras über die Sache wachsen lassen und schwubbs – wird Blizzard heute als das Beispiel-Idol beim Einsatz von Lootboxen in Spielen gefeiert.

 

So lief es auch mit den Lootboxen in Singleplayer-Titeln ab, so lief es schon früher ab, als man DLCs verteufelte. Und die Day One Patches. Und so oder so ähnlich wird es auch mit dem Abo-Modell und den Pay2Win-Lootboxen ablaufen. Ich weiß, ich nutze dieses Wort heute oft, aber es erfolgt stets eine Sensibilisierung, man beteuert, dass es gut für die Spieler ist. Man muss es nur zulassen. Es gehört zum Plan. Negative Folgen? Benachteiligungen einiger oder vieler? Nein, so etwas doch nicht.

 

Der „Alles läuft nach Plan“-Effekt

Wenn etwas aus dem Ruder läuft, dann verfällt der Mensch in Panik. Eine Situation, die man nicht kontrollieren kann. Etwas, was man nicht vorhergesehen hat. Deswegen auch das wunderschöne Joker-Zitat. Natürlich kann ein Publisher schlecht sagen, „euch abzuziehen ist unser Plan“. Nein, jedoch muss er dem Spieler das Gefühl geben, dass die Publisher auf sie hören. Dass alles, was sie tun und machen, nur den Vorteil des Kunden bezweckt.

 

Und dann werden ganz schnell aus lästigen Begleiterscheinungen sehr Sinnvolle. Der Day One Patch? Statt zu sagen, dass man ein verbuggtes Spiel veröffentlicht, heißt es doch besser, dass man unter Hochdruck an einer funktionsfähigen Version arbeitet. Early Access? Der Pre-Day One Patch. Unfertig, verbuggt und bewusst so Geld verlangen. Früher eine großartige Möglichkeit, dass kleine Entwickler Finanzspritzen erhalten und sich auf den Spieler einlassen können. Heute eine immer beliebtere Methode, als großer Entwickler früh an Geld heranzukommen. Doch klingt es viel hübscher, wenn man die „Mitentwicklung an einem Spiel“ vortäuscht, natürlich alles nur zu Gunsten des Spielers.

 

Lootboxen? Statt DLCs anzubieten, muss man nun hoffen, dass man die guten Items bekommt. Keiner würde freiwillig weniger atemberaubende Skins, Sprays oder Emotes kaufen. Doch dank der Lootboxen erhalten Entwickler auch dafür ihr Geld. Sei es nur kosmetisch oder funktionell im Spiel. Schöner klingt doch, „dass wir damit die kostenlose Weiterentwicklung des Spiels sichern können“.

 

 

Und das Abo-Modell? Monatlich Geld für ein Spiel verlangen, gepaart mit Mikrotransaktionen und Lootboxen. Man zahlt am Ende mehr, als wenn man einmal im Jahr das gleiche Spiel zum Vollpreis kauft. Aber es klingt doch viel netter, wenn EAs CEO es mit Musik- oder Film-Stream-Angeboten vergleicht. Dass man zwar nur für ein einziges Spiel 10 € pro Monat blechen soll, statt für ein Angebot aus zehntausenden Filmen oder 40 Millionen Songs. Dieser Vergleich fehlt natürlich in der Aussage. Aber so klingt es, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass einzelne Spiele als Abo-Modell angeboten werden sollen.

 

Wie Game-Streaming wirklich zu funktionieren hat, beweist PS Now bereits eindrucksvoll. Zwar braucht man eine starke, stabile Internet-Verbindung, aber um UHD-Filme anzuschauen, brauch ich die auch. Und eigentlich ist der Origin Access keine schlechte Sache. Für 4 € im Monat habe ich Zugriff auf fast 80 Titel. Davon sind zwar viele auch uralte Klassiker. Aber das ist soweit in Ordnung. Aber es spielt nicht so viel Geld ein, wie man über ein einzelnes Abo-Modell mit einem einzigen Titel einspielen könnte.

 

Wollen wir ein Fazit schließen? Lootboxen werden nur noch mehr die Überhand in 2018 gewinnen, es werden weitere, unangenehme Begleiterscheinungen eintreten, doch die Gaming-Industrie ist bereits dabei, euch zu sensibilisieren. Und am Ende werden Titel wie FIFA und Battlefield mit Abo-Modellen angeboten. Obwohl Letzteres auch erst im nächsten Jahr eintreten könnte.

 

 

Early Access – Geld für Müll

Die Early Access. Ich erwähnte sie eben bereits schon. Einst eine Möglichkeit, gerade für kleine Entwickler, vielleicht nur einzelne Personen, ihr Spiel zu veröffentlichen, ohne es tatsächlich fertiggestellt zu haben. Sozusagen eine langgezogene Beta-Test Phase. Manchmal werden aber auch Programme beziehungsweise Spiele mit der Alpha bereits als Early-Access angeboten.

 

Die Early Access hat nur einen Sinn. Eine große Anzahl von Spielern kann das Spiel vor dem Release erkunden und die Stabilität testen. Der Entwickler kann dann anhand des Feedbacks sein Spiel an den Spielern anpassen. Gleichzeitig und in den meisten Fällen wird Geld für die Early-Access Version verlangt. Also ein wenig wie Kickstarter. Der Entwickler erhält mehr Budget, um das Spiel weiter zu entwickeln.

 

„Da müssten die Aktionäre und Geschäftsmänner bei EA und Co. ja regelrecht lechzen vor Gier.“

 

Während man die kleineren Entwickler ohne Publisher ja gerne mal in der Entwicklung unterstützt, hat sich Early Access als unfassbar große Geldquelle erwiesen. Das hat Playerunknown’s Battlegrounds bewiesen. 27 Millionen Käufer eines unfertigen Spiels. Da müssten die Aktionäre und Geschäftsmänner bei EA und Co. ja regelrecht lechzen vor Gier. Einfach verdientes Geld.

 

Statt das Spiel bis zum Status „General Availability“ ohne Einnahmen zu entwickeln, kann man schon ab dem Beginn die Early Access starten. Das grundlegende Gerüst voller Bugs und Fehler wird zu einem hohen Preis angeboten. Während man sich mit der Entwicklung von Service-Games ja noch irgendwo zurecht finden muss, birgt die Early Access eine gefährliche Mischung aus allen Gefahren, die es so für uns Kunden gibt.

 

Ein Early Access Spiel von EA. Gerade so in der Alpha. 60 €, um Zugang zu erhalten. Kein Versprechen, dass man nach dem Release noch zusätzlichen Inhalt bekommt. Im Spiel gibt es bereits haufenweise Mikrotransaktionen. Lootboxen soweit das Auge blicken kann. Ultimate-Team-Mechaniken inklusive. Dann, nach über neun Monaten, der Release. Natürlich kostet das Spielen ab sofort 10 € im Monat. Early Access Tester erhalten drei Monate kostenlosen Zugang. Zu gütig. Eine Woche nach dem Release wird das erste DLC angekündigt. Preis; 20 €. Season Passes gibt es natürlich auch. Eine Super-Deluxe Premium-Version auch. Premium-Zugang erhält man aber für 10 € oben drauf aber auch so. Zwei Monate nach dem Release, das DLC erscheint. Wer jetzt weiter spielen will, muss sich das DLC kaufen. Ansonsten wird viel fortlaufender Content blockiert. So greift man das Geld auch noch einmal von den Early Access Testern ab.

 

 

Klingt haarsträubend? Es klingt eher nach dem Modell, wie es EA sich tatsächlich vorstellt. Zumindest kann man sehr davon ausgehen, dass die Early Access weiter und weiter von großen Publishern missbraucht wird, um frühzeitig das Geld von den Kunden abzuluchsen.

 

Und es wäre nicht das erste Mal, dass ein großer Publisher oder Entwickler dies versucht, auszunutzen (und einzelne Personen sowieso sehr oft). Da hätten wir nämlich Atari. Einst ein Name, der für Großes stand. Heute ständig der Insolvenz nahe und dann dieser RollerCoaster Tycoon World-Skandal. Hätte man doch bloß nicht damals Frontier Developments angelogen, was die Verkaufszahlen anging. So musste man sich für den nächsten Ableger einen neuen Entwickler suchen.

 

Und was auch immer bei Nvizzio Creations schief gelaufen ist, dass man den Release erst zweimal verschoben hat, um dann plötzlich eine Early Access startet und man diese sogar im Retail-Store anbietet (Ich habe damals zeitweise in einem Elektronik-Geschäft gearbeitet, als der Release stattfand. Wir waren entsetzt, als wir den Miniatur-Hinweis, dass es sich um eine Early Access handelt, auf der Rückseite fanden).

 

Dazu war die Early Access Version eine Katastrophe. Und heute gewinnen Early Access Spiele „Best PC Game“ und „Best Multiplayer“ Awards. Trotz massenhafter Fehler. Ich komme ein letztes Mal auf die Sensibilisierung zurück. Wir wurden sensibilisiert. Heute und ohne Planet Coaster hätte das gleiche RollerCoaster Tycoon World eine deutlich höhere Akzeptanz erhalten, wenn es direkt als Early Access angekündigt und veröffentlicht werden würde.

 

So ist der Lauf der Dinge. Und dieses Jahr wird es nicht besser mit dem Early Access Wahn. Seid gewappnet.

the author

Über mich gibt es nicht viel zu erzählen. 20 Jahre jung, passionierter Gamer seit 17 Jahren und schreibe für mein Leben gerne. Mache mein Abi in VWL und strebe ein Studium in Medienkommunikation an. │

Facebook Kommentare:


No comments yet.

Hast du was zu sagen?