Metro Exodus: Review – Zwischen Stille und Action

Pünktlich zum Release von Metro Exodus können wir euch verraten, wie unser Eindruck vom neuen Metro-Ableger ist und welche Stärken und Schwächen er hat.

In letzter Zeit machte Metro Exodus vor allem durch eines auf sich aufmerksam: Der exklusive Wechsel zum Epic Store. Während man lieber mehr Infos zur Geschichte oder zum Spiel selbst gehabt hätte, dominierte die Entscheidung von Koch Media. Einige Fans äußerten sich daraufhin kritisch und kündigten an, ein Jahr zu warten, bevor sie sich den Titel zulegen würden – dann aber auf Steam. Der Autor der Bücher flehte die Fans kürzlich an, den Titel zu unterstützen und so nimmt diese Geschichte ihren Lauf. Während dieser Kontroverse durften wir uns bereits die Vollversion des Titels anschauen und sind in die winterlichen Tiefen Moskaus abgetaucht.

Artjom, der Halbstumme

Metro Exodus setzt natürlich die Geschichte der Vorgänger fort, die auf der Buchreihe von Dmitri Gluchowski basieren. Speziell in diesem Ableger geht es jedoch darum, dass Artjom plötzlich Signale empfängt, die unbekannter Herkunft sind. Er vermutet, dass es sich dabei um weitere Überlebende handelt – oder sogar um eine Siedlung außerhalb der Metro. Der allgemeine Tenor, in dem er und seine Kameraden leben, ist nämlich, dass es an der Oberfläche noch zu verseucht ist. Die Metro ist also der einzige mögliche Ort, an dem Menschen leben können. Schnell stoßen er und seine Geliebte Anna aber auf etwas, das ihre Welt auf den Kopf stellt. Zufällig treffen sie dabei auf einen Zugführer samt Zug, den sie im Anschluss dazu benutzen, die Oberfläche weiter zu erkunden und dem Signal zu folgen. Leider spricht Artjom in keiner Szene mit den Personen, die mit ihm interagieren wollen. Dabei scheinen diese Personen aber über Telekinese zu verfügen, denn sie wissen immer, was unser Protagonist denkt und sagen würde. Hinzukommt, dass es bei Antworten von NPCs häufiger vorkommt, dass die Mimik still steht. Obwohl sie reden, bewegt sich im Gesicht nichts.

Harter Tobak

Lediglich in den Ladebildschirmen, die nicht sehr häufig auftreten, kann er sich dann doch dazu abringen, zu sprechen. Was soll das? Entweder spricht der Protagonist vernünftig mit seinen Leuten oder er tut es nicht – aber dieses mal so mal so ist wirklich etwas, was auf Dauer arg stört. Hinzukommt, dass die Geschichte und die Charaktere nicht wirklich gut umgesetzt sind. In den ersten paar Minuten des Spiels wird Artjom verwundet und landet dementsprechend auch auf der Krankenstation. Kaum ist er wieder aufgewacht, reden zig Leute mit ihm und er geht feiern. Okay? Wunderheilung? Noch schlimmer wird es dann aber bei der ersten Szene im Zug, als so langsam das Lügengerüst fällt. Die Welt von unserem Protagonisten und seiner Frau wird auf den Kopf gestellt – eigentlich müssten sie schockiert sein und Fragen haben. Stattdessen werden zwei Sätze gewechselt und alle sind euphorisch darüber den Zug haben. Uff. Harter Tobak. Glücklicherweise nimmt das Ganze dann aber über die Zeit doch etwas mehr Fahrt auf – ein Meisterwerk ist es aber leider nicht.

Schießen und Craften

Besser wird es jedoch, wenn wir an der ersten Haltestelle des Zuges eben jenen verlassen und auf die offenen Karten entlassen werden. Es gibt keine komplett offene Spielwelt, die beliebig bereist werden kann. Stattdessen wechselt das Spiel zwischen größeren Arealen, die man allerdings beliebig erkunden kann, und etwas bedrückendere, kleinere Areale. Relativ schnell erhält Artjom einen Rucksack, über den dann eigentlich alles Wichtige im weiteren Spielverlauf läuft. Hier kann er Modifikationen an Waffen anbringen oder verschiedene Teile austauschen. Aber auch Crafting ist wichtig, denn Medikits und Filter für die Gasmaske stehen nur begrenzt bereit. Noch wichtiger ist es aber, des Öfteren zwischen dem Erkunden an Werkbänke zurück zu gehen, denn je mehr man sich im Matsch und Schlamm bewegt, desto schmutziger werden auch die Waffen. Das merkt man spätestens dann, wenn man gerade einmal zwei Schuss abfeuern kann, bevor die Waffe klemmt. Und das so lange, bis sie gereinigt wird.

Die Materialien, die wir finden, sind aber auch wichtig für unsere Mitreisenden, denn wir steuern Zeug zur Instandhaltung des Zuges und der Versorgung der Leute bei. Dadurch lohnt es sich aber auch, die Welt komplett zu erkunden und die Geheimnisse zu entdecken. Wer aber wirklich alles mitnimmt, was die Welt so hergibt, der hat keine Probleme. Überall sind kleine Geschichten versteckt, die das schlimme Schicksal der Leute erzählt. Aber natürlich lassen sich auch viele wichtige Materialien finden, die man zum Craften benötigt. Zudem gibt es aber auch diverse Banditen-Lager. Nebenquests erfüllen oder einfach die wunderschön gestaltete Welt erkunden: In Metro Exodus gibt es wirklich an jeder Ecke etwas zu entdecken oder zu erledigen.

Shooter ohne Atmosphäre?

Es lauert an jeder Ecke

Doch die wohl wichtigste Eigenschaft, die ein Ableger im Metro-Universum inne haben muss, ist eine drückende Atmosphäre. Das Gefühl, dass genau jetzt, in diesem Moment, etwas passieren wird. Sei es ein Ghul, der einem aus seiner Deckung heraus anspringt oder eine mutierte Spinne, die aus dem Boden vorschnellt. Durch die nun geöffnete Welt und das Heraustreten aus der Metro hatten viele die Befürchtung, dass eben dieses beklemmende Gefühl verloren gehen wird. Doch dem ist nicht so. Auch, wenn die klaustrophobisch engen Gänge einer Metro oder eines zerstörten Gebäudes immer noch die Paradedisziplin in Metro Exodus sind: auch die Welten haben es in sich. Gerade, wenn man wirklich viel erkunden will, kann man sich nie seiner sicher sein. Geht man beispielsweise zu nah ans Wasser, kann es passieren, dass ein riesiger Shrimp hervorschnellt und euch in einen Kampf verwickelt. Selbiges passiert mit diversen Gegnern an diversen Stellen – wir wollen euch hier nicht die Angst nehmen. Leider passierte es in unserer Version öfter mal, dass Gegner durch Wände, geschlossene Türen oder auch durch die Luft auf uns zu liefen. Was zu vielen, unvorhergesehen Momenten führte.

Um aber einmal den Eindruck zu vermitteln, wie dicht die Atmosphäre werden kann, hier ein Beispiel. In einem fortgeschrittenen Stadium gibt es eine Passage mit mutierten Spinnen, die tief unter der Erde stattfindet. In einem Archiv mit Satellitenaufnahmen. Unsere Aufgabe scheint einfach: In den entsprechenden Raum mit den gesammelten Informationen vordringen und aktuelle Aufnahmen mit nach draußen bringen. Für alle Arachnophobiker – inklusive mir – ist die Passage jedoch der reinste Albtraum. Und das ist durchaus positiv gemeint. Denn das Gefühl, das aufkommt, ist einzigartig. Die Musik, im Zusammenspiel mit den Geräuschen und dem Leveldesign, machen es zu einem wahren Schweißbad. Hinter jeder Ecke könnte ein Vieh lauern, herumhängende Spinnenweben verlangsamen Artjom und ab und zu krabbeln die Mini-Versionen dieser Viecher über den Arm oder die Gasmaske unseres Helden. Wer hier keine tausend Tote innerlich stirbt, ist wirklich hart.

Optisch top

Unterstützend wirkt hier aber auch die fantastische grafische Darstellung der Gegner und der Umgebung. Models und Sprites sind so glaubhaft umgesetzt, dass man sich manchmal fragt, ob es nach einer atomaren Katastrophe wirklich genau so aussehen würde. Das gilt vor allem für Ruinen, das Verhalten von Menschen und den Auswirkungen der radioaktiven Strahlung auf Flora und Fauna. Ebenfalls gut umgesetzt sind die verschiedenen Gebiete, die man als Artjom bereist. Es sind zwar stets große Gebiete, dennoch stechen vor allem die Points of Interest heraus, die man sich genauer anschauen sollte. Wer dann noch abseits dieser POIs herumläuft, findet des Öfteren Mods für die Ausrüstung oder für Waffen, erfüllt Nebenquests oder entdeckt sichere Unterschlüpfe zum – wortwörtlich – Durchatmen. Die englische Synchro ist sehr gut umgesetzt und der russische Akzent der Charaktere wirkt glaubhaft.

Katastrophen-Launcher

Auf technischer Seite gibt es jedoch einen großen Kritikpunkt. Und das ist der Epic Games Store. Schon bei der ersten Installation wurde von Windows darauf hingewiesen, dass das Programm potenziell schädlich sein kann, da es einfach nicht weiter optimiert wurde sondern bloß – so ist das Gefühl – schnell ein Installer her musste. Und dieser Eindruck vermittelt sich weiter, je weiter man sich mit dem Launcher beschäftigt. Sofort nach dem Einloggen verlangt die Software einen Speicherort für Metro. Ob man das Spiel jetzt herunterladen und installieren will, oder nicht, spielt keine Rolle. Hat der Download dann einmal begonnen, lässt sich keine Limitierung festlegen, sondern muss mit dem Download vorlieb nehmen. Wenn man aufgrund der eigenen Verbindung nichts nebenbei machen kann, ist das eine herbe Einschränkung. Die größte Ernüchterung gab es dann, als wir im Spiel angekommen sind. Es gibt keine Funktion, um Screenshots zu machen. Sowas sollte heutzutage eigentlich schon die Mindestanforderung an einen Launcher sein, der wirklich konkurrenzfähig sein will. Generell merkt man beim Epic Games Store aber, dass hier schnell etwas zusammengeschustert wurde, um einem eventuellen Abflauen des Fortnite-Hypes entgegen zu wirken. Dass Metro Exodus exklusiv hierhin gewechselt ist, entzieht sich dem Verständnis.

Fazit

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich die Vorgänger von Metro Exodus im Verbund vielleicht maximal eine Stunde gespielt habe. Diese Atmosphäre gepaart mit Munitionsknappheit und mutierten Viechern ist im Grunde gar nichts für mich. Demnach stieg ich in die Serie erst mit diesem Teil ein und bin doch überrascht, wie gut das alles umgesetzt wurde. Und, dass sogar ich davon begeistert bin. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, die mich glauben ließen hier handelt es sich um den nächsten 0815-Action-Shooter mit komischer Geschichte und noch fragwürdigeren Charakteren, wurde ich mehr als überrascht. Auch wenn der Beginn noch etwas zäh ist, entfaltet sich Metro Exodus zu einem wahren Shooter-Highlight 2019. Das liegt nicht zuletzt an der Atmosphäre, die der Titel einfach immer wieder aufgebaut bekommt. Natürlich gibt es auch Passagen, in denen es mehr ums Überleben, als um ruhige Momente geht. Aber gerade in Letzterem ist Metro Exodus wohl momentan unschlagbar. Eine doch interessante Story, gepaart mit dichter Atmosphäre und wunderschön gestalteten Welten. Den Luxus hatten wir in den letzten Jahren nicht oft in der Branche. Auch für Neulinge der Serie eine ganz klare Empfehlung!

Metro Exodus

59,99€

8

Story


7.0/10

Features


7.5/10

Atmosphäre


9.0/10

Grafik / Sound


8.5/10

Pros

  • Drückende Atmosphäre
  • Motivierendes Gameplay
  • Wunderschöne Welten
  • Viel zu entdecken

Cons

  • Zäher Beginn
  • Kleinere Bugs
  • Stummer Protagonist


the author

Neben Strategie-Spielen, mit denen mein Leben als Zocker begann, hege ich große Liebe zu Rollenspielen und Shootern gleichermaßen. Musikalisch bewege ich mich am liebsten im deutschen Rap und allgemein im (Hard)Rock. Als Redakteur konnte ich bereits bei spieletipps erste Erfahrungen sammeln und seit Mitte 2015 schreibe ich für die Redaktion von shooter-szene.de. Seit Mitte '17 besitze ich zudem einen eigenen Blog.

Facebook Kommentare:


No comments yet.

Hast du was zu sagen?