Review: Close to the Sun

Auf den ersten Blick erscheint Close to the Sun wie ein geistiger Nachfolger der BioShock-Reihe zu sein. Aber kann der Titel genau so überzeugen?

Als die ersten Bilder und Videos zu Close to the Sun veröffentlicht wurden, hat der ein oder andere vielleicht zunächst vermutet, Irrational Games und 2K hätten sich wieder zusammengetan, um einen neuen Titel aus dem Bioshock-Franchise zu veröffentlichen. Tatsächlich stammt das Spiel, auf das wir uns gestürzt haben, von dem Entwicklerstudio Storm in A Teacup. Die Jungs und Mädels von dort haben sich tatsächlich auch von Rapture, den Big Daddys und Co. inspirieren lassen. Kann der Titel allerdings auch genauso gut abschneiden wie die Inspiration? Das prüfen wir in unserer Review.

Story

In Close to the Sun dreht sich alles um „Helios“, eine Art eigene Welt inmitten der sieben Weltmeere. Gegründet von Nikola Tesla haben hier die klügsten Wissenschaftler der Welt zusammen gefunden, um gemeinsam im Bereich der Energie weiterzuforschen. Unsere begnadete Physiker-Schwester Ada zählt ebenfalls zu diesen Forschern und hat sich auf die Helios begeben. Doch lange Zeit hören wir nichts mehr von ihr. Bis uns ein Brief erreicht, in dem sie uns darum bittet sofort auf die Helios zu kommen und ihr zu helfen. Und damit beginnt auch schon die Story von Close to the Sun.

Im Prolog befinden wir uns an Bord eines Schiffes, das vollkommen unbemannt ist und uns zur Helios führt. Als wir schließlich ankommen, gelingt es uns sogar den Kontakt zu Ada herzustellen. Wir müssen sie nur noch finden. Doch das ist bei dem Anblick der Helios und den dortigen Geschehnissen nicht gerade einfach. Irgendwas ist geschehen, was das Leben der zahlreichen Wissenschaftler gekostet hat. Dem gehen wir, mithilfe unserer Schwester, ebenfalls nach. Dabei stoßen wir nicht nur auf dutzende Leichen, sondern auch auf Wesen, die es auf uns abgesehen haben.

Die Story wird ziemlich gut und vor allen Dingen auch überzeugend rüber gebracht und durch die Gestaltung der Welt und der Charaktere auch noch einmal gut abgerundet. Das gibt einen dicken Pluspunkt in der Bewertung.

Gameplay

Unsere Story ist ziemlich linear gestaltet. Wir bekommen eine Aufgabe, erfüllen sie, erhalten dadurch eine neue Aufgabe und so weiter. Dazwischen können wir jedoch auch auf Entdeckungstour gehen und die Collectibles im Spiel – das können Fotos von den Wissenschaftlern, Baupläne, etc. sein – sammeln. Allerdings schränkt uns das Spiel dabei dennoch ziemlich ein. Von all den Türen, auf die wir zustoßen, lassen sich gefühlt siebzig Prozent nicht öffnen. Auch sorgen die im Wege stehenden Möbel und anderen Gegenständen an manchen Stellen dafür, dass wir uns fast schon wie auf einem Hindernis Parcours befinden. Wir können noch nicht einmal einen Hut „wegschieben“, wenn wir dagegen laufen. Stattdessen stoßen wir dagegen und müssen ihn umgehen, um weiterzukommen.

Vielleicht liegt das aber auch einfach an der Unbeweglichkeit von Rose, wie unsere Protagonistin heißt. Bis auf das normale Fortbewegen per WASD können wir uns bei einem Sprint gefühlt nur einen km/h schneller bewegen. Zumindest kommt es nicht so rüber, als würde beim Laufen wirklich gelaufen werden. Ähnliches begegnet uns bei Betätigen der Leertaste: Wir können springen, aber irgendwie nur einen Millimeter weit, was uns im Spiel leider keinen Millimeter voranbringt. Stattdessen werden so gut wie alle Handlungen per linker Maustaste gesteuert, was fast schon vergleichbar mit einem Click-and-Point Adventure ist.

Hin und wieder gilt es ein kleines Rätsel zu lösen, um beispielsweise das Tor eines geheimen Verstecks zu öffnen. Diese sind jedoch gut zu meistern, wenn man sich zuvor in den Räumlichkeiten gut umgesehen hat. Wer in diesem Bereich schon etwas mehr Erfahrung hat, könnte sich vielleicht unterfordert fühlen. Für alle anderen dürften die Rätsel vom Schwierigkeitsgrad völlig in Ordnung sein.

Was jedoch positiv hervorzuheben ist, ist die Tatsache, dass Rose eine eigene Stimme verliehen bekommen hat. Wir hören unseren Charakter sprechen und kommunizieren. In brenzligen Situationen führt sie Selbstgespräche und sollte es zu etwas „gruseligeren“ Momenten kommen, erschreckt sie sich auch entsprechend. Dadurch haben wir definitiv ein lebhaftes Mädchen vor uns, die jedoch an so manch einer Stelle vielleicht etwas zu schreckhaft ist. Trotz dessen ist die Synchronisation mehr als gelungen und die Stimmen bringen die Story äußerst gut rüber. Außerdem kommt es immer mal wieder vor, dass uns die unbekannten Wesen dicht auf den Fersen sind, sodass wir die Flucht ergreifen müssen. Diese Szenen geschehen zwar nicht allzu oft, bringen jedoch teilweise eine gute Portion Adrenalin mit sich. Anstelle allerdings selbst zu entscheiden, wohin wir flüchten, ist unser Weg vollständig gescriptet. Auch hier haben wir es also mit eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten zutun.

Leveldesign

Wie schon angedeutet, befinden wir uns in relativ geschlossenen Leveln mit einer fast schon strikten Vorgabe, wo wir uns alles hinbewegen können. Die begehbaren Orte sind dafür jedoch sehr liebevoll und detailreich gestaltet. So lässt sich immer mal wieder der Glanz der vergangenen Zeit erkennen. Alte Zeitungen verraten uns etwas mehr über die Helios und Briefe ermöglichen uns Einblicke in die Bewohner der Gegend. Es hängen überall Bilder, Plakate und dekorative Gegenstände. Hier haben sich die Entwickler wirklich Mühe gegeben. Zudem tauchen immer mal wieder die Geister der Menschen auf, die in einem Schimmer der Tätigkeit nachgehen, der sie damals nachgegangen sind.

Bis auf wenige Ausnahmen sind wir die einzig lebende Person auf der Helios. Das scheint wohl auch eine wichtige Entscheidung gewesen zu sein, denn als wir endlich Ada finden, werden wir von nichts anderem als einer grob animierten und wirklich nicht gut gestalteten Person begrüßt. Dies bessert sich jedoch zumindest ein wenig, sobald wir auf weitere Personen stoßen.

Atmosphäre

So ganz mag Close to the Sun vielleicht nicht an die Atmosphäre rankommen, die uns Irrational Games in Bioshock geliefert haben. Das ist aber auch soweit nicht schlimm. Die Musik und Geräusche zusammen mit der teilweise sehr düsteren und gleichzeitig mystischen Umgebung gestalten das Spiel äußerst atmosphärisch. Die Entwickler bemühten sich auch darum ein Horrorfeeling hineinzubringen, was allerdings nicht sonderlich gut gelingt. Selbst wenn Rose erschrickt, sobald sie einen Schatten sieht, der dann wieder verschwindet, können wir uns selbst nicht so ganz davon packen lassen. Teilweise sind diese Horrorszenen auch schon vorhersehbar, sodass erst Recht nicht das Bedürfnis auftritt Baldrian einzunehmen. Vielleicht sind wir da auch einfach schon etwas abgebrüht.

Fazit

Close to the Sun ist ein Spiel, welches definitiv eine interessante Geschichte erzählt und uns diese aus der Sicht einer aktiven und lebhaften Frau erleben lässt. Auch wenn uns der „Horror“ nicht sonderlich gepackt hat, wurde die düstere Stimmung zumindest ziemlich gut aufgefangen. Was uns allerdings ein wenig Sorgen bereitet ist das Gefühl sich vielmehr in einem Point-and-Click-Adventure zu befinden. Wir folgen klaren Wegen, um zu unserem Ziel zu gelangen und sind an viele strikte Vorgaben gebunden. Es wäre schön gewesen, dies ein wenig zu lockern. Alles in allem ist Close to the Sun daher ein kleiner Zeitvertreib (ca. 10 Spielstunden) für jeden, der einfach einmal etwas anderes spielen will, Angst vor Outlast hat und abschalten möchte. Wer jedoch etwas mehr Herausforderung benötigt, könnte am Ende vielleicht ein wenig enttäuscht werden.

Close to the Sun

29,99

7.1

Story


8.0/10

Gameplay


5.0/10

Atmosphäre


7.5/10

Grafik / Sound


8.0/10

Pros

  • Detailreiche Welt
  • Story
  • Atmosphäre
  • Lebhafte Protagonistin

Cons

  • Eingeschränkte Handlungsspielräume
  • teilweise schlecht animierte Personen
  • Horrorfaktor bleibt aus
  • Strikt lineare Storyführung


the author

Seit 2014 Content-Managerin und Quoten-Mädchen in der Männertruppe. Verrückt nach Bioshock und anderen Shootern, verliebt in Tee, Bücher, Serien und Konnichiwa. Glaubt manchmal, versehentlich in Asien bei der Geburt vertauscht und nach Deutschland verfrachtet worden zu sein. Ohorat? Ohorat.

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